Natürliche Hufpflege Dass Pferde eine regelmäßige Hufbearbeitung oder Hufbeschlag bekommen  müssen, ist für jeden Pferdehalter selbstverständlich. Aber wie sieht es eigentlich bei den Wildpferden aus, bei denen nicht alle sechs Wochen der Schmied vorbeikommt? Reitpferde werden beschlagen, mit der Begründung, dass der Hornabrieb aufgrund der verstärkten Belastung durchs Reiten auf hartem Boden das Hornwachstum übersteigt. Fakt ist aber, dass Wildpferde viel mehr Kilometer am Tag zurücklegen als fast jedes Reitpferd, und das z.T. in harten steinigen  Geröllwüsten. Trotzdem sind diese Pferde nicht lahm, ansonsten wären sie längst ausgestorben. Um zu verstehen, wie das möglich ist, muss man sich  die Anatomie des Hufes anschauen: Da gibt es das harte Wandhorn, das vom Kronsaum herunterwächst und mit einer Glasurschicht überzogen ist, die vor Eindringen bzw. Verlust von Feuchtigkeit schützt. Im Inneren der Hufkapsel befindet sich das Hufbein, das über das Krongelenk mit dem Kronbein und schließlich mit dem restlichen Pferdebein verbunden ist. Es hat eine ähnliche Form wie der Huf selbst.  An den Außenflächen des Hufbeins liegt die sogenannte Wandlederhaut auf, die in vielen feinen Lamellen das Lamellenhorn bildet und damit eine Verzahnung und sehr starke Verbindung zwischen Lederhaut und Hufwand herstellt. Da das Wandhorn von oben nach unten wächst, das Lamellenhorn aber von innen nach außen, kann diese Verbindung trotz ihrer Stabilität nicht statisch sein, sondern unterliegt ständigen Auf- und Abbauprozessen. In einem krankhaften Missverhältnis von Auf- und Abbau liegt möglicherweise der Grund für die Zusammenhangstrennung bei der Hufrehe. Auch die Unterseite des Hufbeins ist mit einer Lederhaut überzogen. Diese bildet das Sohlenhorn, welches von oben nach unten wächst. Der hintere Teil des Hufbeins besteht aus zwei Ästen die mit elastischem Faserknorpel besetzt sind. Die Hufbeinknorpel kann man im hinteren Kronrandbereich ertasten. Diese Anatomie führt dazu, dass die hintere Hufhälfte wesentlich elastischer ist als die Vordere. Hufmechanismus bedeutet, dass der Huf sich ab seiner weitesten Stelle bei Belastung  ausdehnt und bei Entlastung wieder zusammenzieht. Hierdurch wird nicht nur die Erschütterung beim Auffußen gedämpft, sondern auch eine Blutgefäßpumpe aktiviert, die die Versorgung von Gliedmaßen und Hufen mit Sauerstoff effektiviert. Zwischen den Hufbeinknorpeln befindet sich ein weiches Bindegewebspolster, dessen Unterseite mit der Strahllederhaut überzogen ist. Hier wird das weiche Strahlhorn gebildet. Es ist offensichtlich, dass auch diese Struktur eine stoßdämpfende Aufgabe erfüllen soll.  Tatsächlich kann der Strahl die Aufprallerschütterung beim Auffußen aber nur von den Pferdegelenken fernhalten, wenn er Bodenkontakt hat. Dies ist gegeben, wenn die Trachtenwände ca. 2mm über den Strahl, überstehen. Weiten sich die Trachten im Moment der Belastung, sinkt nämlich der Strahl ein kleines Stück nach unten. Schaut man sich einen gesunden Wildpferdhuf von unten an, findet man einen kräftig ausgebildeten Strahl, der Bodenkontakt hat, sowie eine kuppelförmig gewölbte Sohle, die am äußeren Rand und besonders im Zehenbereich stark verdichtet und hart ist. Die weiße Linie ist schmal und von fester Konsistenz. Das Wandhorn steht kaum über die Sohle über und folgt auch der Wölbung, so dass von der Seite betrachtet, die Seitenwände kürzer sind als Zehen- und Trachtenwand und auf planem, harten Boden leicht schweben. Untersuchungen an Wildpferdhufen haben ergeben, dass, entgegen weitverbreiteter Annahme, das Wandhorn nicht dazu da ist den Großteil des Pferdegewichts allein aufzunehmen. Stattdessen trägt alles, was einen Schatten wirft, Last: Sohle, Strahl, Eckstreben, Wand. Auf nachgebendem Boden, sei es Sand, Wiese oder Kies, sinkt der Huf ein. Auf hartem Boden werden der äußere Rand der Sohle und das Wandhorn stärker belastet als die Sohlenmitte, der Hufmechanismus sorgt dafür, dass auch der Strahl mitträgt. Würde das Wandhorn nun mangels Abrieb zu lang werden, was bei den meisten domestizierten Pferden der Fall ist, würde das ganze Pferdegewicht auf einem sehr dünnen Tragrand lasten. Betrachtet man nun noch einmal die lamelläre Verbindung zwischen Wandhorn und Huflederhaut, den sogenannten Hufbeinträger, wird klar, dass das Gewicht des Pferdes in diesem Fall an der Hufwand „hängt“, im wahrsten Sinne des Wortes. Das Hufbein ist, wie man im Querschnitt sehen kann, an der Hufwand aufgehängt. Da Sohle und Strahl nun in der Luft hängen, bekommt das Hufbein keinerlei Gegendruck von unten, der Hufbeinträger wird maximal belastet.  Nicht ganz maximal, solange die Hufwände einen physiologischen Winkel aufweisen. Läuft unser Pferd aber weiter mit den langen Wänden herum, werden sich diese unter der großen Last sehr bald verbiegen. Die Hornröhrchen stehen nun nicht mehr senkrecht zum Boden und die Wand hebelt immer weiter nach außen. Dem kann die Verzahnung zwischen Wand und Lamellenhorn nun nicht mehr standhalten, die weiße Linie verbreitert sich und wird zur Eindringpforte für Bakterien und Pilze, die die Verbindung dann noch weiter zerstören. Dies passiert im günstigen und normalen Fall nur im unteren Teil des Hufes,  so dass der betroffene Teil der Hufwand einfach ausbricht und die Mikroben nicht bis zum lebenden, durchbluteten teil des Hufes vordringen können. Ist nämlich das Wandstück herausgebrochen ist auch der luftgeschlossene Raum und damit Nährboden für Bakterien und Pilze verschwunden. Auch vom Sohlenhorn verfault nur der Teil, der sich durch nachwachsendes Horn weit von der Hufbeinunterseite entfernt hat und nicht mehr benötigt wird. Er wird mehlig und nutzt sich schnell ab. Dieser Prozess ist absolut normal für Wildpferde die auf weichem, feuchten Terrain leben. Auf diese Weise wird verhindert, dass die Hufe zu lang werden und damit dass Überleben gesichert, denn kein Pferd kann auf Stelzen schnell laufen. Da der Boden ja weich ist, führen die ausgebrochenen Wände nicht zu Schmerzen. Wildpferdhufe, deren Besitzer in harten, felsigen Gegenden leben, erhalten dagegen so viel Abrieb, dass das Wandhorn nie viel länger wird als die Sohle. Die Hufwand hat hier vor allem die Aufgabe, den Huf von außen zu schützen und Steine wegzukicken. Sie wird im unteren Bereich auch von außen dünngeschliffen und sehr stark abgerundet , der Huf sieht aus wie ein vom Meer beschliffener Stein. Da es keinen scharfkantigen Tragrand gibt, können auch keine Hufwände nach außen weghebeln, die weiße Linie bleibt straff. Nicht wegen der herrschenden Trockenheit, dringen Mikroorganismen hier nicht ein, sondern weil die weiße Linie intakt ist. Der Huf bricht nicht aus. Das Wandhorn hat nur im inneren, unpigmentierten Bereich Bodenkontakt, die Sohle nimmt viel Gewicht auf.  Die Sohle wird, da sie auf hartem Boden weniger einsinkt, flacher und ist nicht so stark gewölbt wie auf weichem Terrain. Die Sohle ist an den besonders belasteten Stellen, wie etwa dem Abrollpunkt im Zehenbereich sehr verdichtet und extrem hart. Da wir immer noch von einem Wildpferd sprechen, kommt also niemand und schneidet mit einem scharfen Messer diesen so genannten Sohlenkallus ab. Das wäre nämlich vergleichbar damit, uns Menschen die Hornhaut an Händen oder Füßen zu entfernen. Es würde nicht wehtun, es ist ja nur Horn, aber unsere tägliche Arbeit oder das Barfußlaufen, die würden dann wehtun! Und so geht es dem sohlenbeschnittenen Pferd – es geht fühlig . In dieser unterschiedlichen Entwicklung je nach Terrain sind die Hufprobleme beim Reitpferd begründet. Die Pferde leben normalerweise auf weichem Boden: Stalleinstreu, Weide, Paddock. Hier verbringen sie meist 23 Stunden des Tages, dementsprechend bildet sich eine hohe Sohlenwölbung und lange Wände. Steht das Pferd bei regnerischem Wetter auf dem Matschpaddock wird das Horn auch weicher. Geritten wird das Pferd aber auf hartem Boden wie Asphalt, steinige Wege, woran der Huf nicht angepasst ist. Sohle und Strahl bekommen zunächst keinen Bodenkontakt, die langen Wände brechen aus. Nun läuft das Pferd plötzlich doch auf Sohle und Strahl, die aber nicht über verdichteten Kallus verfügen. Die Folge sind Quetschungen der Sohlenlederhaut, die übrigens häufig auch ihre Ursache in zu starkem Beschneiden der Sohle haben. Außerdem reagiert der Huf auf stärkere Belastung und Abnutzung mit schnellerem Wachstum, diese Anpassung dauert jedoch einige Zeit. Plötzliche Veränderungen der Anforderungen verträgt er deshalb nicht gut. Es wird klar, worauf es bei der Barhufbearbeitung ankommt: sie muss einen starken Abrieb imitieren und dadurch einen Hufzustand erreichen, wie er beim Wildpferd in der Geröllwüste vorliegt. Regelmäßiges Kürzen und Abrunden des Wandhorns hat auf den Huf dieselbe Wirkung wie ständiger natürlicher Abrieb. Es gibt keine weghebelnden Wände mehr, und somit auch keine faulende weiße Linie. Die Eckstreben müssen bei den meisten Pferden auch gekürzt werden. Sie legen sich sonst mangels Abrieb auf die Sohle und verursachen Druckstellen.Von der Sohle wird nur mehliges Verfallshorn entfernt, die lebende Sohle bleibt unangetastet, insbesondere ihr äußerer Rand! Der Strahl sollte etwa 1mm unter dem Tragrandniveau sein. Sobald er Bodenkontakt hat, wird er besser durchblutet und beginnt zu wachsen- was belastet wird, wird kräftiger- etwaige Strahlfäule verschwindet. Bei Pferden mit kräftigem Strahlwuchs und mangelnder Sohlenwölbung muss man darauf achten, dass sich nach dem Kürzen der Wände der Strahl nicht über dem Tragrandniveau befindet. Für die alleinige Lastaufnahme ist er natürlich nicht gemacht. Ein Strahl der (aufgrund zu starkem oder zu geringem Beschneidens) druckempfindlich ist, führt dazu dass das Pferd zuerst auf der Zehe auffußt. Diese hat aber wie oben beschrieben keine stoßdämpfenden Eigenschaften, das Pferd ruiniert sich bei dieser Fußungsweise auf Dauer die Gelenke. Auch andere Ursachen können zu einer Zehenfußung führen, etwa zu hohe Trachten und damit punktuelle Belastung sowie eine schmerzhafte Hufrolle. Die Trachtenfußung kann außer dem Kurzhalten der Trachten (Vorsicht, keine drastische Umstellung herbeiführen!) gefördert werden durch das Anbringen einer Zehenrichtung, die das Abfußen erleichtert und verfrüht, so dass das Bein mehr Zeit zum Vorschwingen hat und später auffußt. Barhufige Pferde, die viel auf hartem Boden laufen, laufen sich diese Zehenrichtung selbst an. Das Prinzip der Barhufpflege muss also lauten: der mangelnde Hornabrieb, unter dem unsere domestizierten Pferde aufgrund chronischen Bewegungsmangels leiden, muss mit Hilfe der Hufraspel ausgeglichen werden. Auch verstärkt einseitige Belastung aufgrund von Fehlstellungen kann ausgeglichen werden durch sehr häufiges Korrigieren der weniger belasteten Seite. Sicherlich ist der Abrieb an einzelnen Stellen viel stärker als bei regelmäßig stehenden Beinen. Aber wenn man die Strecken vergleicht, die ein Freizeitpferd pro Tag zurücklegt, verglichen mit der, die ein Wildpferd sich fortbewegt, dürfte selbst die doppelte Abnutzungsrate kein Problem sein. Absolute Vorraussetzung ist eben die richtige Hufpflege. Und eine Ernährung die dem Huf ermöglicht, auf stärkere Belastung mit stärkerem Wachstum zu reagieren. Erwähnt seien hier Aminosäuren, B-Vitamine (Bierhefe), Lecithin, Kieselgur, Schwefel, Kupfer und Zink in Ergänzung zu gutem Heu und/oder Gras. Die Hufe können außerdem in des Pferdes Freizeit trainiert werden durch Haltung auf günstigen Bodenbelägen. Es sollte möglichst oft auf trockenem Untergrund stehen. Strahl und Sohle werden besonders gut durch Kies gekräftigt,  runde Steine in Erbsengröße eignen sich am besten. Die Umstellung des Pferdehufs von Beschlag auf Barhuf muss sehr vorsichtig erfolgen. Dem Huf muss Gelegenheit zur Anpassung gegeben werden. Während Sohle und Strahl schon nach einigen Wochen sehr hart und widerstandsfähig sind, dauert es doch bis zu einem Jahr, bis der Umbauprozess des ganzen Hufes abgeschlossen ist. Diese Zeit kann sehr gut überbrückt werden, indem man sich mit Hufschuhen behilft. Das Pferd kann so weiterhin geritten werden, was sinnvoll ist, denn Bewegung fördert Durchblutung und Wachstum der Hufe und beschleunigt die Anpassung. Auf keinen Fall darf man vernachlässigen, dass der Huf eben nicht so zubereitet werden darf wie für den Eisenbeschlag. Die Tragränder müssen viel stärker abgerundet werden und die Seitenwände der Sohlenwölbung folgen. Keinesfalls darf in die lebende Sohle geschnitten werden und der Strahl muss bis auf das Entfernen von Taschen geschont werden. Die Hufe müssen in kurzen Abständen getrimmt werden, d.h. bevor die Hufform sich verändert hat.    
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