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Paddock Paradise     Vor etwa einem Jahr brachte ich von einem Symposium der AANCHP (Association for the Advancement of Natural Horse Care Practises) eine Idee mit, die mich so sehr faszinierte, dass ich sie unbedingt auch selbst umsetzen wollte. Besagte Organisation  um den amerikanischen Hufschmied Jaime Jackson hat sich der eisenlosen Hufpflege nach dem Vorbild der Hufe wildlebender Mustangs verschrieben. Und zwar mit allem, was dazugehört: eben auch einer artgemäßen Ernährung und Haltung, genug Bewegung auf verschiedenen Untergründen. Damit die Steppentiere ihre Hufe trainieren und in Form bringen können, wie von der Natur vorgesehen. Ein großes Problem der modernen Pferdehaltung ist ein zu reichhaltiges Futterangebot auf der Weide mit den bekannten Folgen wie Hufrehe, metabolisches Syndrom und  Beschwerden am Bewegungsapparat. Reduziert man den Weidegang, bedeutet das normalerweise weitere Stunden des Eingestperrtseins in der Box oder auf reizarmen Paddocks. Dann fehlt Bewegung und das ist für Pferde mindestens genauso ungesund. Ein Teufelskreis. Jaime Jackson hat die Mustangs beobachtet, sogar wochenlang verfolgt auf ihren Wanderungen von Wiese zu Wasserstelle, zum Wälzplatz, zu Mineralienvorkommen. Dabei fiel ihm auf, dass die Pferde nicht kreuz und quer, sondern auf Wegen laufen. Das können wir auch bei unseren domestizierten Pferden beobachten, besonders auf Weiden mit hohem Gras bilden sich schnell Trampelpfade. Es ist einfach sicherer, aber auch bequemer, sich dort zu bewegen, wo schon andere vorher entlanggelaufen sind. Die Wildpferde legen so etliche Kilometer am Tag zurück und genau daran sind ihre Körper angepasst: die Form der Hufe, die Durchblutung, der Verdauungsapparat, die Gelenke, alles profitiert vom fortwährenden Wandern. Wie kann man also seinen Pferden Bewegungsanreize bieten, die weit genug auseinanderliegen, ohne dass man Ländereien von gigantischen Ausmaßen besitzen muss? Die Lösung ist verblüffend einfach und für jeden umsetzbar, der für Pferde begehbares Land zur Verfügung hat, egal welcher Größe oder Form. Man braucht lediglich Zaunmaterial und etwas Arbeitseinsatz und Einfallsreichtum. Nun besitze ich selbst überhaupt kein Land, sondern habe meine Traberstute in einem Pensionsstall stehen, wo sie mit zur Zeit acht weiteren Pferden auf vier nebeneinanderliegenden Weiden grasen darf. Dank meiner Miteinstaller, die ich recht schnell von dieser Idee überzeugen konnte und einem zwar zweifelnden, aber sehr kooperativen Stallbesitzer konnten wir das Konzept von Paddock Paradise folgendermaßen verwirklichen: Unsere Pferde sollten einen möglichst weiten Weg zurücklegen müssen, also verbanden wir die erste und die vierte unserer Weiden durch einen mit Steckpfählen und Elektrolitze begrenzten Gang. Dieser verläuft am hinteren Rand der zwei mittleren Weiden, die nun geschont werden. Da die beiden ersten Weiden kürzer sind als die letzten zwei, ergibt sich ein Gang von ca 250m Länge, der zwei Kurven in zwei verschiedene Richtungen hat. Wie breit solch ein Gang sein sollte, hängt von der Anzahl der Pferde und deren Verträglichkeit ab. Da wir mit 9 Pferden eine recht große Gruppe haben und auch einige sehr dominante Vertreter dabei sind, wählten wir eine Breite von etwa 6 Metern. So kann an einem quer im gang stehenden Pferd immer noch eins vorbeigehen. Als Anreiz für die Pferde, auch überall hinzugehen platzierten wir die Wasserstelle am anderen Ende als den Eingang.  Seitdem die Weiden abgefressen sind, verteilen wir nun auch Heu und zwar über die gesamte Fläche verteilt in vielen kleinen Häufchen. Das ist zwar etwas Aufwand, aber es wird einem gedankt durch zufriedene Pferde und einen unheimlichen Spaß beim Beobachten derselben. Die dominanteren Zeitgenossen suchen sich öfter mal ein  neues Häufchen Heu, vertreiben dabei die rangniedrigeren, die aber schon ein paar Meter weiter den nächsten Heuhaufen finden. Auf diese Art sind unsere Pferde immer sehr weit verteilt. Es kommt weniger zu Rangeleien, weil die Tiere räumlich weiter auseinander sind,  und das gute Gefühl haben, sich aus dem Weg gehen zu können. Und das bei viel weniger Flächenbeanspruchung. Die mittleren beiden Weiden dürfen sich jetzt erstmal von der bisherigen Überweidung erholen, die sie sehr artenarm und damit ungesund für unsere Pferde gemacht hat. Das Buch „Paddock Paradise“ von Jaime Jackson, das es neuerdings auch in der deutschen Übersetzung gibt,  hält viele weitere Ideen bereit, wie man seinen Pferden Beschäftigung und Bewegungsanreize bieten kann. Einige davon wollen wir nach und nach auch noch umsetzen. Nun kommt erstmal der Winter und es wird sich zeigen, ob unser Paddock Paradise mit seinem natürlichen Lehmboden den Hufen unserer Pferde auch dann noch standhalten kann. Was sich sonst noch tut – ich werde darüber berichten!     Update 27.11.2009 mittlerweile ist es etwas matschig geworden. Obwohl der Herbst dieses Jahr verhältnismäßig trocken ist. Man kann aber noch überall mit der Schubkarre langfahren. So richtig zertrampelt ist nur eine Stelle, an die kaum Sonne kommt. Dies ist außerdem genau die Stelle, wo die Pferde immer lospreschen, weil hier der Gang in die hintere Weide übergeht und sie ein wenig Angst vor der Hecke neben dem Gang haben. Wenn das Wetter schön ist, so wie gestern, nehme ich mir gerne mal ein Stündchen Zeit, um die Weide abzuäppeln. Die hintere unserer beiden Weiden, war bis vor einiger Zeit noch ein Ort reichhaltigen Futterangebots. Solch ein Ort hält die Pferde in freier Wildbahn zumindest temporär, vom Leben "on track", auf Wanderschft, ab und lässt sie an Ort und Stelle verweilen. Oft versammeln sich dann mehrere Herden, sogar die anderer Pflanzenfresser. Dieser Ort wird dann solange er Futter hergibt ausgebeutet und gleichzeitig verschmutzt (kurzfristig gesehen) und gedüngt (langfristig gesehen). Ist das Futter weggefressen und/oder die Fläche verschmutzt wird dieser Ort verlassen und die Wanderung geht weiter. Auf dem Gang und auf der, schon immer sehr kurzgrasigen, vorderen Weide äppeln unsere Pferde immer sehr ordentlich an den Rand. Ein Verhalten, dass unter anderem mit Revierabgrenzung zu tun hat, aber auch mit Sauberhalten der Fressstellen. An der Toilette, den Geilstellen fressen sie so gut wie nicht. Die hintere Weide dagegen ist vollkommen versaut worden, kreuz und quer. Wahrscheinlich würden sie diese Fläche jetzt gerne verlasssen und weiterziehen, aber das geht ja nicht, denn da ist ja dieser Zaun...Also fressen sie hier weiter, denn das Gras steht immer noch höher als auf der vorderen Weide. Ein unnatürliches Verhalten, so nah bei den Exkrementen zu fressen. was sich dort an Parasiten und schädlichen Bakterien tummelt, möchte ich lieber nicht wissen. Also sammeln wir diese Weide ab. Das Schöne am Abäppeln ist ja, dass man dabei die Pferde beim Heufressen beobachten kann. Die zwei Ranghöchsten, zwei Warmblüter, eine Stute und ein Wallach (der Wallach ist der Oberchef) nehmen sich, was sie wollen. Aber es ist nicht so, dass die anderen deshalb deutlich weniger bekommen. Ein Heuhaufen wird immer schon für den nächsten verlassen, bevor er ganz leergefuttert ist. So kann jemand anders sich dann die Reste nehmen.   Update 11.01.2010 Es liegt Schnee! Ich glaube, das gefällt den Pferden. Seit der Boden hartgefroren ist, haben wir den Gang zugemacht. Er war einfach zu zerwühlt und gleicht jetzt einer knubbeligen Kraterlandschaft. Gar nicht gut für Sehnen und Bänder. Aber die erste Weide ist noch ziemlich eben und bietet so gerade eben genug Platz für unsere 9er-Gruppe. Einige Vertreter toben sich auch gerne mal richtig aus. Besonders jetzt im Schnee. Wenn die Pferde ein paar kurze Grashälmchen unter der Schneedecke hervorzupfen dient das eher der Beschäftigung. Wir füttern natürlich reichlich Heu - das wärmt von innen.   Update 19.04.2010 Endlich Frühling! Unsere Pferde dürfen jetzt vor- und nachmittags jeweils eine gute Stunde auf die Weide. Dazwischen, davor und danach sind sie auf dem Sandpaddock, wo sie Heu fressen können. Den Gang hätte man schon wieder freigeben können, wenn nicht unsere erste Weide dem Bau einer neuen Reithalle zum Opfer gefallen wäre. Wenn die Bauarbeiten es zulassen, können wir aber die zweite nutzen und mit dem Gang zur vierten verbinden. Übrigens haben wir auf dem Gang giftigen Aronstab gefunden. Den müssen wir noch ausgraben. Oben: die Pferde wollen endlich vom Paddock auf die Weide laufen Unten: die ganze Herde   Update Mai 2010 Paddock Paradise ist wieder eröffnet! Neuerdings gibt es einen Hügel, der aus dem Erdaushub für die Reithalle entstanden ist. Um den müssen die Pferde herumlaufen, was den Gang auf etwa 250m verlängert hat. Der längste Weg, den sie laufen können, ohne umzukehren inklusive der Weiden selbst ist ca 500m lang, laut gps-Gerät. Es ist schön zu beobachten, wie die Pferde sich überlegen, wo sie hin möchten, wo das Gras wohl am besten schmeckt und wie sie durch den Gang galoppieren oder auch mal gemütlich trotten.   Update April 2011 Paddock Paradise gibt es nicht mehr. Nicht weil die Pferde irgendein Problem mit dem Gangsystem gehabt hätten. Auch nicht, weil es seinen Zweck, den Pferden mehr Bewegung zu verschaffen nicht erfüllt hätte. Sondern weil es nicht auf einem Privatgründstück sondern in einem Pensionsstall entstanden ist. Einem Pensionsstall mit all seinen Vor- und Nachteilen. Zunächst muss ich aber sagen, dass ich dankbar bin, Paddock Paradise ausprobiert haben zu dürfen. Unserem skeptischen Stallbesitzer und einigen Miteinstallern, die hinter der Idee standen oder noch stehen. Es war ein tolles Erlebnis, das eigene und andere Pferde auf ihrem Spaziergang zu beobachten oder sie auch mal im flotten Galopp zielstrebig eine gute Strecke zurücklegen zu sehen. Die Arbeit, im Herbst Heuhaufen auf dem Gang zu verteilen, dankten uns die Pferde mit Demonstrationen ihres Rangordnungsverhaltens untereinander und dem guten Gefühl, das wirklich jeder etwas abbekommt, sowohl vom Heu als auch von der Bewegungstherapie. Doch all das sahen nicht alle beteiligten Pferdebesitzer. Einige sahen in Paddock Paradise nur eine große Gefahr und Pferde, die drohten in die Zäune hineinzurasen. Nun, diese Gefahr ist nicht ganz von der Hand zu weisen, wie ich zugeben muss. Jedoch ist bei uns in der ganzen Zeit glücklicherweise nichts Schlimmes passiert. An unserem Stall gab es aber in den letzten zwei Jahren drei schwere Verletzungen mit Pferdebeinen und Zäunen. Eine auf einer stinknormalen Weide und zwei auf kleinen rechteckigen Paddocks. Was mich aber den Kampf um Paddock Paradise hat aufgeben lassen, war die Tatsache, dass es so wie es war nicht richtig war. Es war kein geschlossenes Gangsystem sondern die Pferde hatten ständigen Zugang zu Weiden, also nichts mit Diät! Die Gruppe blieb keineswegs konstant sondern es kamen immer mehr neue Pferde hinzu. Die Gruppe wurde immer größer, das Verhältnis Wallache zu Stuten war zu hoch. Einige durften nur stundenweise mit raus. Von einem richtigen Herdenverband konnte also keine Rede sein. Damit wäre tatsächlich die Gefahr von Keilereien oder Jagden im Gang gegeben. Theoretisch. Bis dato haben sich die beteiligten Pferde trotzdem gut benommen. Trotzdem: auf all dies hat man als Einsteller in einem Pensionsbetrieb natürlich keinen Einfluss. Weil hier Demokratie herrscht und das ist auch gut so. Also werde ich meinen Traum vom Pferd auf Wanderschaft vertagen auf eine Zeit, in der ich mein eigenes Grundstück besitze. Ich glaube für Paddock Paradise gilt, wie für viele, wenn auch nicht alle Dinge im Leben: entweder man macht es richtig oder man lässt es ganz sein. Hier noch eins von vielen Beispielen für ein "richtiges" Paddock Paradise
Update 27.11.09 11.01.10 19.04.10 Mai 2010 April 2011
Akupunktur und Naturheilkunde für Pferde im Raum Köln - Düren - Aachen - Eifel
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